Das Gefühl von Sicherheit…

…könnte ich manchmal wirklich gut gebrauchen, sei es an unbekannten Orten, in neuen Situationen oder auch bei Zugfahrten. Ich stelle mir da selbst immer wieder Fragen, ob ich denn auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin, ob ich auch alles mitgenommen habe, was ich brauche, ob ich auch wirklich nicht irgendeinen Termin vergessen haben könnte oder ob ich denn auch im richtigen Zug in die richtige Richtung sitze und auch wirklich vorher eine Fahrkarte gebucht habe. Erst wenn ich diese Fragen für mich hundertprozentig beantwortet habe, kann sich allmählich das Gefühl der Sicherheit einstellen.

In einem Großteil der Fälle erweisen sich diese Befürchtungen als völlig unbegründet und ich wäre weniger angespannt, wenn ich stattdessen „einfach drauf los marschieren“ würde, wie es scheinbar die Nichtautisten tun. Doch dabei besteht dann die Gefahr, dass tatsächlich etwas schief läuft. Ich versuche dann manchmal eine Balance zwischen beidem zu finden.

Ein Gefühl der Unsicherheit habe ich auch vor der Gegensprechanlage einer verschlossenen Haustür. Erwische ich wirklich die richtige Person am anderen Ende? Versteht der- oder diejenige, was ich von ihm/ ihr will? Finde ich dann im Treppenhaus die richtige Eingangstür?

Diese Art von Unsicherheit bestimmt noch immer einen großen Teil meines Alltages und vielleicht wird dies auch immer so bleiben. Hätte ich immer dieses Fundament, dieses Gefühl der Sicherheit, es wäre vieles einfacher.

Die nächsten zwei Wochen ist es dann wieder so weit. Ich werde im Zug auf dem Weg zur Berufsschule sitzen und erst ein paar Minuten nach der Abfahrt ist dann die Anspannung verflogen und ich kann mich wieder an mein Notenprogramm setzen.

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Menschen bringen Unsicherheit – Menschen geben Sicherheit

Ich habe ein äußerst ambivalentes Verhältnis gegenüber anderen Menschen in meiner Umgebung. Sie bringen mir Unsicherheit und geben mir wiederum Sicherheit – klingt paradox? Ist es auch und wiederum auch nicht.

Manchmal würde ich mich wirklich gerne auf eine einsame Insel zurückziehen, wo mich niemand stört. Ich weiß aber, dass es ja auch Menschen braucht, die Lebensmittel herstellen oder Häuser bauen, außer ich will wirklich vollkommen „naturverbunden“ leben.

Wenn ich einen neurotypischen Menschen beschreiben sollte, fallen mir Begriffe ein wie chaotisch, laut, unberechenbar, vielschichtig, emotional, flexibel und ohne festen Plan. Ich weiß sehr häufig nicht, wie ich jene in der jeweiligen Situation einschätzen soll und bin schnell mit deren Weise zu denken und zu handeln überfordert.

Da jene die Mehrheit bilden, sind es vor allem die Nichtautisten, welche die Welt und die Gesellschaft gestalten. Und da beginnen für mich die Probleme. Ich bräuchte eigentlich eine Gesellschaft, die vollkommen anders ausgerichtet ist, als unsere jetzige, deutlich weniger künstliche Reize in der Umgebung, ein geringeres Maß an Kommunikation und Kontaktaufnahme und eine Entschleunigung der alltäglichen Prozesse. In dieser von Neurotypischen gemachten Gesellschaft kann ich mich nicht wirklich sicher fühlen und ich würde es eigentlich schon so beschreiben, dass ich Angst vor Menschen habe (ausgenommen Kleinkinder, mit denen ich mich sehr gerne beschäftige).

Man könnte daraus jetzt schließen, dass Nichtautisten grauenvolle, rücksichtslose und angsteinflößende Wesen seien, aber ich bin nicht unbedingt ein Freund eines solchen Schwarz-Weiß-Denkens, immerhin gibt es auch noch eine vollkommen andere Seite.

Neurotypische haben viel Erfahrung mit dieser „Welt“, was bedeutet, dass sie sich darin zurechtfinden. In mir völlig unbekannten Situationen bin ich recht froh, wenn ich einen Menschen an meiner Seite habe, der sich da auskennt und mir somit ein bisschen Sicherheit geben kann, zum Beispiel auf Ämtern.

Insbesondere wenn Entscheidungen oder Unklarheiten auf mich zukommen, fühle ich mich auf jeden Fall sicherer, wenn ich Leute um mich habe, die mich unterstützen. Ich habe momentan dieses Privileg und kann so auch meinen Alltag recht gut meistern. Auch wenn meine Mobbingerlebnisse in der Schule mich zu einer Art Einzelkämpfer gemacht haben, brauche ich doch andere Menschen, die mir helfen, mich zumindest ansatzweise in dieser Welt zurechtzufinden, die nicht wirklich die meine ist, in der ich aber dennoch lebe.