Auf alles vorbereitet

Vor kurzem hatte ich meinen ersten Ausbildungslehrgang in Dresden. Da ich mein Fahrrad mitgenommen habe konnte ich mir den Luxus, meine geräumige Reisetasche für diese Woche mitzunehmen, nicht leisten. Ich musste ja alles unterwegs transportieren können, schließlich hatte ich die Strecke vom Pirnaer Bahnhof nach Dresden-Pillnitz auf zwei Rädern zu bewältigen.

Also ging es schwer bepackt los, ein großer, vollgestopfter Wanderrucksack auf dem Rücken, die Laptoptasche umhängend, sowie den Fahrradkorb und den Gepäckträger beladen. Als ich beim Lehrgang ankam, wurde ich erst mal gefragt, ob ich gerade zuhause ausgezogen bin. Dabei habe ich aus meiner Sicht vor allem das Nötigste mitgenommen. Die anderen Teilnehmer kamen zum Teil mit einem Rucksack und ich frage mich, wie kriegen die da alles rein, die Arbeitskleidung und -schuhe, die Wechselwäsche, die Waschsachen? Nun gut, die müssen keine Trompete zum Üben oder einen Laptop zum Komponieren mitschleppen, geschweige denn einen weiteren Rucksack für die Fahrradtouren.

Mir ist insgesamt aufgefallen, dass andere Leute, wenn sie unterwegs sind, weniger mitnehmen als ich. In meinem Rucksack sind immer allerhand Dinge – wie zum Beispiel verschiedene Werkzeuge – drin, damit ich auf sämtliche Situationen bestens vorbereitet bin. Der Nachteil ist natürlich, dass ich oftmals schwerer zu schleppen habe.

In ein paar Wochen habe ich wieder einen Lehrgang in Dresden, da werde ich es wieder genauso machen. Immerhin, es hat sich gelohnt, das Fahrrad mitzunehmen:

Sächsische Schweiz, der Blick von der Bastei auf die Elbe

Sächsische Schweiz, der Blick von der Bastei auf die Elbe

Eine Reise zwischen Panik, Humor und Gelassenheit

Ich fahre ja eigentlich gerne Zug, doch diese Fahrt werde ich wohl so schnell nicht vergessen. Man könnte auf ein solches Erlebnis mit Empörung zurückblicken, doch ich komme einfach nur ins Schmunzeln, auch wenn ich froh sein konnte, irgendwie wieder zuhause angekommen zu sein.

Es hätte bis auf den Schienenersatzverkehr zwischen Zeitz und Wetterzeube eine ruhige und entspannte Zugfahrt werden sollen, mit ein bisschen Zeit zum Komponieren. Doch es wurde das Unwort des Tages: „Fahrdienstleiter!“

Eben dieser Geraer Fahrdienstleiter hatte sich, so die Durchsage unseres in Bad Köstritz stehenden Zuges, krank gemeldet, was bedeutete, dass nun erstmal kein Zug nach Gera ein oder aus fahren kann und wir erst mal in Bad Köstritz festsitzen würden. Viele Fahrgäste griffen bereits besorgt zu ihrem Mobiltelefon, ein Kind fing bereits an zu weinen.

Und ich? Ich hätte eigentlich in Panik geraten sollen. Mit dem letzten Zug wäre ich um kurz nach 20 Uhr nach Plauen gekommen, doch es stand in den Sternen, ob der noch zu erreichen gewesen wäre. Doch ich konnte im Moment nicht viel machen, also schob ich die Frage, ob und wie ich nach Hause kommen sollte erstmal beiseite nahm das Ganze mit Humor und komponierte ein bisschen, eine Suite schreibt sich ja nicht von allein zuende.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde ging es überraschend wieder zurück nach Wetterzeube, um die Fahrgäste des nächsten Schienenersatzverkehrs aufzunehmen, um dann auch wieder nur bis Bad Köstritz zu kommen, also hin und her. Von dort sollte ein Bus bis nach Gera fahren hieß es nach einer Weile, also alle raus aus dem Zug, der daraufhin leer wieder nach Wetterzeube zurück fuhr. Doch kein Bus kam und irgendwann war gleiche Zug mit dem gleichen Sitzplatz wieder da und es ging endlich nach Gera Hauptbahnhof.

Von allen Zügen, die um diese Zeit überhaupt noch fuhren, ging der nächste in meine Richtung kurz um 23:06 nach Greiz. Ich hatte also viel Zeit, den Geraer Bahnhof kennenzulernen, bis mein Anschlusszug dann planmäßig fuhr.

Ich hatte mich schon darauf eingestellt, einen Teil der Strecke mit dem Fahrrad fahren zu müssen, so war es dann auch mit den letzten 25 Kilometern von Greiz nach Plauen, und zwar im Dunkeln und im Regen. Ich war aber froh, überhaupt mein Fahrrad mitgenommen zu haben, denn gelaufen wäre ich die Strecke wohl nicht so gerne. Um viertel zwei war ich dann endlich wieder zuhause und insgesamt fast 7½ Stunden unterwegs, obwohl ich planmäßig nur 2½ gebraucht hätte.

Aber wie habe ich es geschafft, nicht in Panik zu geraten, obwohl es zwischenzeitlich so aussah, als würde ich erst am nächsten Morgen oder Vormittag wieder in Plauen sein? Ich sah, dass sich die Situation vorerst meiner Kontrolle entzogen hatte und ich nichts weiter tun konnte, als abzuwarten, also wäre Panik doch sinnlos gewesen, oder? Es klingt irgendwie zu einfach aber in der Situation war es das irgendwie. Normalerweise können mich unvorhergesehene Ereignisse sehr durcheinanderbringen, aber ich scheine als Autist auch das Talent zu haben, einfach einen kühlen Kopf zu bewahren und rational zu sein.

Wärme und Kälte

Wenn es heiß ist, schwitzt man, wenn es kalt ist, friert man, soweit die Theorie. Bei mir sieht die Praxis meist etwas anders aus. Während sich eine Umgebungstemperatur von 25 °C und heißer für mich schon unerträglich anfühlt, kommt es vor, dass ich selbst bei Minusgraden und ohne Jacke draußen nicht friere.

Über- und Unterempfindlichkeiten sind häufige Symtome der Autismus-Spektrum-Störungen. Am ausgeprägtesten dürfte es bei den meisten wohl im akustischen Bereich sein, aber auch die Temperaturwahrnehmung weicht häufig von der neurotypischer Menschen ab.

Des öfteren höre ich von anderen Menschen, dass sie im Winter nicht mit dem Fahrrad fahren, weil es ihnen angeblich zu kalt sei. Für mich als leidenschaftlichen Radfahrer wäre das undenkbar. Gerade das Fahren im Schnee (, den wir leider gerade nicht haben,) hat seinen Reiz. Eigentlich müsste ich ja häufig krank sein, da ich mich so oft im Kalten aufhalte und auch schon mal bei einstelligen Temperaturen ohne Jacke losfahre. Auch meine Mutter meint natürlich, dass dies unvernünftig sei, wenn ich aber auf meine Lebensjahre zurückblicke, fällt auf, dass ich nur selten krank war. Bin ich also abgehärtet, weil ich die Kälte ohnehin weniger spüre?

Eine solche Abhärtung wäre bei gegenteiligen Wetterverhältnissen wirklich vorteilhaft. Bei über dreißig Grad versuche ich normalerweise, drinnen bleiben zu können, lässt es sich aber doch nicht vermeiden, halte ich schnell nach Schattenplätzen Ausschau. Wie ich es manchmal schaffe, eine solche Hitze überhaupt auszuhalten, habe ich mich letzten Sommer schon einmal gefragt. Noch unverständlicher ist es mir, warum sich manche das auch noch freiwillig antun und zum Sommerurlaub in Länder fahren, in denen es noch viel heißer ist als hier. Ich glaube nach Mallorca würden mich im Sommer keine zehn Pferde kriegen.

Trotzdem macht es mir kaum etwas aus, wenn ich mir versehentlich kochendes Wasser über die Hand kippe, aber ich denke, dass hat ohnehin mehr mit dem Schmerz- als dem Temperaturempfinden zu tun, ist also wieder ein Thema für sich.