Der Reiz des Lernens

Jeder Mensch hat es von Natur aus in sich, manche mehr, manche weniger. Es eine Eigenschaft, die uns von Tieren unterscheidet, das Bestreben, sein Wissen zu vergrößern, immer mehr zu lernen und neue oder unbekannte Dinge zu entdecken.
Bei mir ist das ganz besonders ausgeprägt, vielleicht finde ich deshalb Star Trek so „faszinierend“.

Schon als Kind bin ich immer gerne auf Entdeckungstour gegangen, mit dem Fahrrad oder zu Fuß, ob meine Eltern wollten oder nicht. Bis heute mache ich jedes Wochenende meine großen Fahrradtouren und versuche dabei Gebiete zu erkunden, wo ich noch nicht war. Das bedeutet natürlich, dass ich mit der Zeit immer weiter fahren muss, weil ich irgendwann alles kenne.

Ich bin aber auch ein klassischer „Faktensammler“. Ich weiß nicht, was zu Grundschulzeiten andere Kinder in meinem Alter so gelesen haben, aber bei mir waren es hauptsächlich Sachbücher.
Bis heute bin ich immer weiter am Lernen. Da ist es praktisch, dass es das Internet gibt. Ich stoße meinetwegen auf irgendetwas Unbekanntes, etwas das mir Fragen aufwirft, ein weggebaggertes Dorf, eine stillgelegte Bahnstrecke oder einfach eine Pflanze, die ich noch nicht kenne und sofort verspüre ich den intensiven Drang, alles darüber in Erfahrung zu bringen. Ich werde dann in jenen Bereichen innerhalb kurzer Zeit zum Experten.
Ich denke das ist es, wodurch sich übrigens ein Spezialinteresse von einem Hobby abgrenzen lässt, nur mal so am Rande für alle, die sich mit Asperger beschäftigen.

Als Gärtner-Lehrling muss ich bis zu meiner Abschlussprüfung eine bestimmte Anzahl von Pflanzen mit deutschem und botanischem Namen wissen und diese auch erkennen. Jene sind bei mir in einer Pflanzenliste mit fast 400 Stück zusammengefasst.
Für viele andere Auszubildende im Gartenbau ist das manchmal eine Last, aber ich habe richtig Freude daran, das alles auswendig zu lernen und die Pflanzen sämtlichst kennenzulernen, aber inzwischen kenne ich alle, also suche ich mir noch mehr Pflanzen, die nicht in der Liste stehen.
In der Berufsschule bin ich nicht nur als Einserkandidat, sondern auch als Pflanzenkenntnisexperte bei Schülern und vor allem Lehrern berüchtigt. Ich bin dort der einzige, der die Pflanzenkundeübungen gar nicht erwarten kann.

Das ist eben der Reiz des Lernens, der, wie ich vermute, bei Asperger-Autisten ganz besonders ausgeprägt ist, während bei Nichtautisten dann sicher der Gemeinschaftssinn stärker sein dürfte.

Allen Lesern einen fröhlichen Tag der Deutschen Einheit!

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Irgendwo zwischen naiv und rational

Uns Autisten sagt man gerne ein sehr rationales Verhalten und Denken nach. Dies dürfte wohl in den meisten Fällen so sein. Doch es gibt auch die andere Seite – eine geradezu kindliche Naivität.

Kürzlich las ich einen Nachrichtenartikel in dem es darum ging, dass Autisten gegenüber den Lockmitteln der Werbung durch ihr rationales Denken immun sind. Diese These würde ich nur bedingt unterschreiben.

Rationales Denken und Verhalten ist etwas, das, wohl durch meinen Autismus, ein integraler Bestandteil meiner Persönlichkeit ist. Mein Handeln wird nicht von Emotionen kontrolliert, sondern mein Verstand kontrolliert in einem gewissen Maße die Emotionen. Beste Voraussetzungen also, um Werbung die kalte Schulter zeigen zu können.

Doch leider ist es nicht ganz so einfach, denn Werbebotschaften werden nicht mehr nur auf der emotionalen Ebene transportiert. Immer wieder werden irgendwelche Studien angeführt, welche die Wirksamkeit eines Produktes beweisen, mal kommen Ausdrücke wie „wissenschaftlich erwiesen“ zum Vorschein oder es lobt irgendein „Professor Dr. [schlau klingender Name]“, wie toll doch das im Fernsehen Angepriesene ist.

Dass dahinter eine betrügerische Masche steht, sind so manche Autisten nicht in der Lage zu sehen. Da kommt nämlich das Problem mit den Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen auf.
Was uns Autisten auf der einen Seite gegenüber Werbebotschaften auf der emotionalen Ebene immun machen kann, lässt uns wiederum leichter gegenüber wissenschaftlich eingekleideter Werbung anfällig werden.
Wer macht sich schon die Mühe, nachzusehen, ob es jene „wissenschaftliche Studien“ überhaupt gibt oder wie diese durchgeführt wurden?

Diagnose Autismus

Immer häufiger wird bei Menschen die Diagnose „Autismus-Spektrum-Störungen“ oder kurz „Autismus“ gestellt. Manch einer spricht deswegen schon von einer Modediagnose.
Ich persönlich glaube, dass die steigenden Fallzahlen schlicht und einfach daher rühren, dass man heute mehr über Autismus weiß. Früher wurden viele mittlerweile Erwachsene, die dieser Tage als Autisten – oftmals Asperger-Syndrom – diagnostiziert werden, einfach als verrückt, schüchtern, psychisch krank oder schlecht erzogen abgestempelt. Die inzwischen bessere Kenntnis vieler Therapeuten, Pädagogen und Psychologen zum Thema Autismus-Spektrum-Störungen sorgt natürlich dementsprechend auch dafür, dass vermehrt Diagnosen schon in der Kindheit gestellt werden.

Für mich war die Diagnose „Asperger-Syndrom“ die lang ersehnte Antwort auf meine Fragen:
„Warum werde ich, wo ich auch hinkomme gemobbt? Mache ich irgendetwas falsch oder ist irgendetwas an mir falsch? Was macht mich so anders als die anderen? Warum gelingt es mir nie, Freundschaften zu finden?“
Durch meine Diagnose hatte ich endlich die Antwort auf meine Fragen und ich wusste, dass ich nicht falsch war, sondern einfach anders, ich wusste warum dies so war und dass mein Umfeld mit meinem Anderssein einfach nicht umgehen konnte.

Aber wie kann man für sich oder sein Kind eigentlich eine Autismus-Diagnose stellen lassen? Nun, der Weg dorthin ist oftmals steinig.
Meine Mutter hatte den Verdacht „Asperger-Syndrom“ schon als ich vier war, der Kinderarzt redete ihr das aber recht schnell aus. Mit meiner Diagnosestellung hatte ich dann aber wirklich Glück. Im Spätsommer 2012 rief meine Mutter bei der Kinder- und Jugendpsychotherapeutin in Chemnitz an und im Dezember war die Diagnose gestellt. Leider ist es nicht immer so einfach.
Der übliche Weg ist, dass man mit dem Autismusverdacht zum Kinder-/ Allgemeinarzt geht und dieser dann die Überweisung zum Spezialisten, einem Psychiater etwa oder einem Psychotherapeuten, der sich im Idealfall auch auf Autismus spezialisiert hat. Oft sitzen auch in Autismuszentren Fachleute, die Diagnosen stellen.
Wie ich oben ja schon beschrieben habe gibt es leider oft genug Kinder-/ Allgemeinärzte, die Autismus gleich ausschließen und gar nicht erst eine Überweisung schreiben, damit der Weg zur Diagnose überhaupt beginnen kann. In dem Fall hilft es nur, einen anderen Arzt aufzusuchen, das ist zwar stressig, aber es gibt ja genug davon.
Hat man dann die Überweisung zur Autismusdiagnostik, muss man sich meistens leider auf eine lange Wartezeit einstellen, manchmal zwei Jahre.
Viele Menschen scheuen sich deshalb, diesen steinigen Weg überhaupt zu beschreiten, sicher weil einigen auch der Gedanke kommt: „Autismus… und was nun?“

Ich persönlich kann nur dazu ermutigen, bei einem Verdacht, dass man selbst oder sein Kind autistisch sein könnte, diesen Weg auf sich zu nehmen, ich habe es jedenfalls nie bereut, im Gegenteil. Ohne meine Diagnose wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin.

Sehr gut erklärt ist der Weg der Diagnosestellung auch auf http://autismus-kultur.de/autismus/autismus-diagnose-bei-kindern.html.

Absolutes Gehör

Neulich fuhr ich mit dem Fahrrad nach Schöneck hinauf und hörte dabei im Radio auf BR-Klassik einen Beitrag über das absolute Gehör (die Fähigkeit, gehörte Töne zu identifizieren oder einen geforderten Ton sofort ansingen zu können). Da ich dieses selber habe, war das Thema natürlich für mich hochinteressant. Relativ zum Schluss des Beitrages wurde auch noch darauf eingegangen, dass es unter Autisten einen erstaunlich hohen Anteil an Absoluthörern gibt.

Das erste Mal hörte ich den Begriff „Absolutes Gehör“ im Musikunterricht in der zehnten Klasse. Unser Musiklehrer wollte uns am Klavier anhand zweier Dreiklänge den Unterschied von Dur und Moll erklären und sagte, als er beides nacheinander gespielt hatte, dass man da kaum einen Unterschied heraushören könnte. Ich sagte daraufhin, dass man schon einen Unterschied hören kann, da der eine Dreiklang ein fis und der andere ein f hat. Darauf hat der Lehrer mir gleich ein paar weitere Töne vorgespielt um herauszufinden, ob ich wirklich das absolute Gehör habe. Er erklärte mir, dass diese Fähigkeit sehr selten sei. Bis dahin bin ich davon ausgegangen, dass jeder Mensch das kann.

Aber ist es wirklich so, dass das absolute Gehör bei Autisten häufiger vorkommt als bei Nichtautisten? Zumindest gibt es einige Studien und Untersuchungen darüber, die aber allesamt noch kein stichhaltiges Ergebnis zutage fördern konnten geschweige denn zu erklären in der Lage gewesen wären, warum diese Fähigkeit bei Autisten häufiger auftritt. Meine Vermutung ist, dass die häufigere Veranlagung des absoluten Gehörs bei Autisten mit der bei jenen häufig auftretenden akkustischen Übersensibilität zusammenhängt, aber wie gesagt, es ist nur eine Vermutung.

Mich persönlich hat das absolute Gehör mein Leben lang begleitet und ich empfinde es als sehr wertvolle Eigenschaft, für die ich meinem Schöpfer im Himmel eigentlich nicht genug danken kann. Wenn irgendwo eine Gitarre zu stimmen war, wurde ich meist zurate gezogen, es hilft mir beim Auswendiglernen von Musikstücken und beim Komponieren. Wo andere Komponisten zum Schreiben ihrer Stücke das Klavier benötigen, habe ich die Melodie im Kopf, schreibe sie einfach auf und weiß genau, wie die Begleitung klingen würde, die ich ergänze. Im Chor kann ich durch diese Fähigkeit obendrein wunderbar vom Blatt singen.

Natürlich setzt mir das absolute Gehör auch gewisse Grenzen. Manchmal – das trifft vor allem auf die Musik des Barock zu – müssen Stücke einen Halbton tiefer oder in noch einer anderen Tonart gesungen/ gespielt werden. Manch einer würde einfach das Instrument dementsprechend umstimmen oder schlicht in der anderen Tonart singen. Bei mir geht das dann nicht so einfach. Ich muss bewusst transponieren, also statt einem e zum Beispiel ein es spielen. Und wenn mir jemand zwei aufeinander folgende Halbtöne vorspielt (also das Intervall einer kleinen Sekunde), ist das für mich wie Folter, die ich selbst mit Gehörschutz nicht ertragen würde.

Ich selbst würde das absolute Gehör durch nichts eintauschen wollen und bin gespannt, was die Forschung noch so über den Zusammenhang Autismus und absolutes Hören herausfindet.

Perfektionismus

Perfektionismus ist ein so negativ besetzer Begriff. Ich selbst habe wohl jede Menge davon und finde das manchmal sehr nützlich.

Ein Teil meiner Gärtnerausbildung beinhaltet auch das Pflastern, das wir auf einer speziellen Fläche gelegentlich üben. Mein größtes Problem ist dabei die Zeit, da ich extrem ordentlich und gründlich arbeite. Die kleinste Unebenheit versuche ich sofort auszugleichen. Ich könnte sonst das Ergebnis nicht nach außen hin vertreten.

Andererseits kann man sich durch meinen Perfektionismus auch gut auf mich verlassen. Irgendwo unpünktlich zu erscheinen wäre für mich absolut ausgeschlossen. Lieber rechne ich mir so viel Zeit ein, dass ich noch lange warten muss. Sollte ich doch mal unpünktlich sein, kommt das für mich einem Weltuntergang gleich.

Wenn ich Perfektion suche, dann sehe ich die in der Musik Johann Sebastian Bachs. Deshalb liegt mir sein Musikstil wohl auch so sehr, dass ich ihn ebenfalls für meine Kompositionen verwende. Es ist einfach beeindruckend, wie die Motive ineinander verschlungen sind und doch alles wunderbar zusammenpasst.

Es war mal vor einiger Zeit bei der Selbsthilfegruppe in der Leipziger Autismusambulanz, dass wir am Schluss ausgemacht haben, als nächstes das Thema „Perfektionismus“ durchzunehmen. Die (nichtautistische) Moderatorin der Gruppe schrieb dann aber versehentlich „Perfektismus“ an das Flipchart, was natürlich sofort unser aller Aufmerksamkeit erregte.

Aber warum wird eigentlich Perfektionismus so negativ gesehen? Es ist ja nicht so, als gäbe es das nur bei Autisten. Eigentlich ist Perfektion doch etwas Gutes. Da jedoch kein Mensch perfekt ist, wird das Streben danach offenbar als Übertreibung, Anmaßung oder Überheblichkeit gesehen.

Andererseits ist es einem Chef wohl am liebsten, bei der Arbeit ein perfektes Ergebnis abgeliefert zu bekommen. Man stelle sich vor, der Vorgesetzte sagt zum Arbeitsauftrag, dass die Arbeit unvollkommen erledigt werden soll.

Ich würde behaupten, dass das Streben nach Perfektion in der Natur des Menschen liegt. Wenn diese Eigenschaft allerdings im Alltag offen zutage tritt, stört das viele Menschen offenbar. Ich selbst bin gerne ein perfektionistischer Mensch, alles andere wäre für mich selbst schon Nachlässigkeit.

Kategorien und Schubladen

Normalerweise verbindet man den Begriff „Schubladendenken“ ja vor allem mit einer negativen Voreingenommenheit, wie sie uns Autisten gegenüber schon in so manchem Medienartikel zu finden war. Aber eigentlich haben wir dieses Denken doch selbst, wenn auch unvoreingenommener.

Irgendwie trifft das in gewissem Maße auf jeden Menschen zu, aber insbesondere wir Autisten teilen unser Umfeld und die Personen, denen wir begegnen gerne in Kategorien ein, weil uns das beim Verstehen der Menschen und Situationen unseres Alltags hilft. Ich stelle mir das gerne so vor, dass ich mir über die Jahre so eine Art Datenbank angelegt habe. Diese hilft mir zum Beispiel, menschliches Verhalten vorauszusehen und zu verstehen, wo mir ansonsten das Einfühlungsvermögen fehlt. Ich kann inzwischen gut nachvollziehen, warum ein Mensch in einer bestimmten Weise reagiert, weil ich einschätzen kann, in welche Kategorie er gehört und welche Verhaltens- und Denkmuster zugrunde liegen.

Es ist uns Autisten eigen, einen Blick für Systeme und Regelmäßigkeiten zu haben. Obwohl Menschen aus meiner Sicht oft unberechenbar und irrational sein können, zeigt sich in deren Verhalten doch ein gewisses Muster. Dieses lässt sich als Grundlage nehmen um Menschen oder eine Situation zu analysieren.

Leute beobachten und analysieren, das ist etwas, das ich schon viele Jahre automatisch tue. Ich brauche das, um alles um mich herum einordnen zu können. Nur so weiß ich, wie ich mit meinem Gegenüber interagieren kann. Leute einordnen? Ja, ich sortiere Menschen in Schubladen ein, wie ich sie einzuschätzen habe, wie sie auf mich reagieren würden, wie deren politische Ansichten zu einem bestimmten Thema sein könnten, welchen Charakter sie haben…

Wenn man Menschen so in Schubladen einsortiert, ist immer die Gefahr da, dass man sich irrt und manchen Personen damit Unrecht tut, man hat ja schließlich nur die eigene subjektive Perspektive. Daher bin ich sehr vorsichtig damit, meine „gesammelten Daten“ nach außen zu tragen oder gleich als Tatsache hinzustellen. Trotzdem hat sich in vielen Fällen herausgestellt, dass ich bei meinen Einschätzungen richtig lag, zum Beispiel auch wenn es um Autismusdiagnosen ging.

Schubladendenken ist an sich etwas völlig Normales. Problematisch wird es erst, wenn eine Kategorie in der falschen Schublade ist und der Schrankinhaber sich partout weigert, umzusortieren.

Scheuklappen

Manchmal könnte man als Autist Scheuklappen ganz gut gebrauchen. Aber genau das kann manchmal zum Problem werden. Ich habe schon Situationen erlebt, wo aufgrund einer großen Reizbelastung meine Konzentration gezwungenermaßen so sehr auf der momentanen Arbeit oder dem Funktionieren lag, dass ich eine drohende Gefahr erst spät erkannt habe (was würde ich nur ohne meine vielen Schutzengel machen?).

Auch bei unsicheren Situationen mit vielen Variablen, wo ich ständig am Kontrollieren bin, ob ich auch auf alles geachtet und nichts vergessen habe – meine morgendlichen Fahrten zur Berufsschule sind da recht exemplarisch –, bin ich sozusagen mit Scheuklappen und einem Tunnelblick unterwegs, da ich immer die Angst im Hinterkopf habe, dass meinen zurechtgelegten Abläufen etwas dazwischenkommt. Häufig ist diese Art von Angst eigentlich unbegründet.

Dann sind da noch die Scheuklappen beim Thema Einfühlungsvermögen und beim Senden und Empfangen nonverbaler Signale. Ich reagiere in sozialen Situationen nicht nur unbeholfen, sondern merke oft genug gar nicht, wie es dem Gegenüber geht und bin dadurch schnell unsensibel.

Scheuklappen können allerdings auch eine ganz nützliche autistische Eigenschaft sein. Während wir Autisten es vielleicht schwer haben, das Gesamtbild einer Situation zu sehen, ist unser Fokus klar auf Details gerichtet und auf das Erreichen eines Ziels. Es ist eine typische Eigenschaft von mir, dass ich noch weiterkämpfe, wo andere schon aufgegeben haben. Dabei lasse ich mich von meinem Ziel nicht abbringen. Natürlich bin ich dadurch auch furchtbar unflexibel, dennoch braucht unsere Gesellschaft solch zielstrebige Menschen ganz besonders.

Hilfeschrei

Man kann das, was bei ABA abläuft eigentlich schon als Missbrauch bezeichnen. Seit Jahren geschieht dort ein Unrecht an autistischen Kindern, dem wir entschieden begegnen müssen.

Quergedachtes | Ein Blog über Autismus

Ich tue mich schwer damit diesen Blogpost zu schreiben. Um Hilfe bitten fällt mir nicht leicht und alles was ich in meiner Arbeit gegen die ABA Lobby erlebt habe war schmerzhaft und prägend. Ich sehe aber keine andere Möglichkeit mehr und darum schreie ich nun verzweifelt um Hilfe. Nicht nur in meinem Namen sondern für all die Autisten, Eltern und aktiven Menschen die sich konstant gegen ABA aussprechen und sehr viel Zeit und Kraft aufwenden um zu zeigen was wirklich hinter ABA steckt.

Auch wenn wir viele sind die sich hier engagieren: Unsere Kraft ist begrenzt.

In Namen des „Kindwohles“ von autistischen Kindern wird immer mehr eine „Therapie“ angewandt die sich Applied Behavior Analysis (ABA) nennt.

Wie sowas aussieht? Schaut selbst

Durchgeführt an einem dreijährigen Autisten durch eine zertifizierte ABA Therapeutin. Nun stellt Euch bitte vor, dass das 40 Stunden die Woche und mehr mit autistischen Kindern gemacht wird. Auf…

Ursprünglichen Post anzeigen 966 weitere Wörter

Ein Fehler, der korrigiert werden muss?

Das Thema ABA ist ja unter uns Bloggern mit Autismus momentan in aller Munde, besonders bei Innerwelt und Quergedachtes die sich sogar die Mühe gemacht haben, sich in einer Gesprächsrunde den Vertretern dieser sogenannten „evidenzbasierten Verhaltenstherapie“ zu stellen.

Jene ABA-Verfechter kommen gerne mit positiven Erfahrungsberichten der Eltern von autistischen Kindern, welche diese Therapie mitgemacht haben (oder durchmachen mussten). Umso erfreuter war ich, als ich mir die Kommentare eines Medienartikels durchlas, dessen Autorin offenbar viel von ABA hält. Aber zunächst zu dem Artikel selbst.

Er kommt vom Schweizer Rundfunk (SRF) und ist, so weit ich das sehen konnte, Teil einer Sendereihe über Frühkindlichen Autismus. Als erstes werden die wahrgenommenen Defizite von Kindern mit Frühkindlichem Autismus aufgeführt (sie können nicht sprechen, wollen keinen Kontakt mit anderen Menschen, sind aggressiv…).

Natürlich gibt es für die besorgten und verzweifelten Eltern auch eine Lösung, hier nennt sie sich „Frühförderung durch Verhaltenstherapie“, was ja erst mal gar nicht schlecht klingt. Doch es dürfte wohl gewollt sein, dass man nicht gleich ABA dahinter erkennt.

Am Ende des Artikels steht es dann im kursiv Gedruckten:

Es handelt sich um eine frühe verhaltenstherapeutische Intervention (FIVTI), basierend auf der angewandten Verhaltensanalyse («Applied Behavior Analysis»).

Natürlich musste gleich noch hinzu, dass die Behandlungserfolge „belegt“ sind.

Meine Frustration legte sich jedoch schnell wieder, als ich die Kommentare las, die ersten zwei geschrieben von Müttern, die über ihre Kinder mit Frühkindlichem/ Asperger-Autismus berichteten und dabei so gar nicht zu den gegenüber ABA sonst so positiven Erfahrungsberichten mancher Eltern passen. Die beiden schreiben, dass ihre Kinder Fortschritte machten, als sie so angenommen wurden, wie sie waren bzw. sie für ihr Kind gekämpft haben. Das zu lesen hat mich wirklich ermutigt.

Auch die übrigen Kommentatoren entlarven das, was in diesem Artikel als harmlose Frühförderung dargestellt wird, als ABA und scheuen sich nicht, zu schreiben, was diese Art der Therapie mit Kindern macht.

Ich wünschte, die ABA-Therapeuten, die meinen, Autismus wäre ein Fehler, der korrigiert werden muss, würden sich jene Kommentare mal durchlesen, um diese andere Sichtweise auch mal von Eltern zu hören.

Schublade „Autismus“

Es ist irgendwie eine unendliche Geschichte mit den Medien. In diesem Artikel prangt es bereits in der Überschrift: „Autismus“. Weiter geht es dann komischerweise so:

Es gibt in diesem Beruf Konstanten. Manche davon schätzt man, wie etwa die Pizza mittags in der Kantine, weil diese von allen dort angebotenen Gerichten am wenigsten der oft irrlichternden Kreativität der hier tätigen Speisenzubereiter unterworfen ist.

Hä? Bezug zur Überschrift? Gleich null! Oder ist Autismus jetzt ein Beruf? Für einen solchen bräuchte ich wohl keine Ausbildung mehr, oder? Aber genug des Sarkasmus.

Ich dachte mir, vielleicht steht ja auch etwas Sinnvolles zu dem Thema drin, aber nichts da! Der Artikel hat rein gar nichts mit Autismus zu tun. Der Begriff kommt im Text obendrein nur einmal vor:

[…] es geht um etwas anderes. Um eine bestimmte Form von Autismus.

Im folgenden wird dann beschrieben, dass in sechs verschiedenen (ich glaube Münchener) Theatern am gleichen Tag Premieren/ ein Gastspiel stattfinden soll. Diese Häufung von Theatervorstellungen, ob nun gewollt oder nicht, wird vom Autor als egoistisches Verhalten skizziert. Und das soll nun also „Autismus“ sein? Das hatten wir doch schon einmal.

Man kann mir so manches vorwerfen, auch, dass ich die Bedürfnisse anderer manchmal nicht von selbst erkenne, aber ein Egoist bin ich ganz sicher nicht! Da hat sich der Autor Egbert Tholl einfach nur auf Kosten eines kleinen Teils der menschlichen Bevölkerung einen halbwegs schlagkräftig klingenden Artikel zusammengezimmert und ist damit leider in die Fußstapfen einiger Artikelschreiber vor ihm getreten.

Wenn jemand in der Vergangenheit Chancen auf die Inklusion von Autisten zunichte gemacht hat, dann waren es meist die Medien, indem die Autismus-Spektrum-Störungen für reißerische Artikel missbraucht worden oder beispielsweise einem Amokläufer vorschnell Autismus angedichtet wurde. So etwas muss endlich aufhören!