„Das geht schon so, das haben wir immer schon so gemacht!“

So lautet bei uns auf Arbeit eines unserer Mottos, um genau zu sein das vierte von insgesamt fünf. Angewendet wird der Satz bei uns eher in einem scherzhaftem Rahmen, aber er passt ganz gut zu meinem Leben.

Ich habe ja schon in manchen Beiträgen über meine Mobbingerfahrungen geschrieben und wie diese mich zu einem Einzelkämpfer gemacht haben, im positiven wie im negativen Sinne. Ich bin an sich damit zufrieden, dass ich mich durch viele Situationen so gut alleine durchschlagen kann und nicht so sehr auf andere angewiesen bin. Es fällt mir dadurch aber auch schwer, von anderen Hilfe anzunehmen.

Wenn irgendjemand mir in einer Sache, lassen wir es nur eine Kleinigkeit sein, seine Hilfe anbietet, bin ich schnell dabei, gemäß dem obigen Motto zu reagieren. Ich habe sonst einfach das Gefühl, mein Gegenüber auszunutzen und will der Person keine Umstände machen (ganz zu schweigen davon, dass ein Abweichen von meinen eigenen Methoden für mich Stress bedeuten könnte). Wenn mich also jemand fragt, ob er oder sie mir beim Tragen eines sperrigen Gegenstands helfen soll, antworte ich tatsächlich oftmals:„ Ach, das geht schon so!“

Über viele Jahre war es so, dass ich quasi kaum Unterstützung in meinem Mobbingsituationen erfahren habe und es mir dadurch irgendwann nicht mehr möglich war, anderen Menschen zu vertrauen. Die Spuren davon finde ich heute noch in meinem Leben. Ich habe oft das Gefühl alleine besser zurechtzukommen als mit anderen Menschen. Die Tatsache ist jedoch, dass ich schon seit einigen Jahren verschiedene Menschen um mich habe, die mich unterstützen. Manchen davon und vor allem Gott selbst verdanke ich, dass ich heute vergleichsweise normal und unbeschwert leben kann.

So gerne ich ein Einzelkämpfer bin, es ist dann eben auch so, dass mich andere manchmal regelrecht dazu drängen müssen, ihre Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Ob sich das in meinem Leben jemals ändern wird? Ich weiß es nicht, aber bis dahin gilt für mich wohl das vierte Motto: „Das geht schon so, das haben wir immer schon so gemacht!“

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Ein Gedanke zu „„Das geht schon so, das haben wir immer schon so gemacht!“

  1. Lieber Johannes, das was du schreibst kenne ich sehr gut. Es ist verständlich, dass du durch deine Mobbingerfahrungen Probleme hast, anderen Menschen zu vertrauen, vielleicht hast du Recht, vielleicht sollte man das einfach akzeptieren, dass es nie so sein wird wie bei anderen. Aber das ist ja nicht nur negativ, ich denke ein gesundes Misstrauen schützt und bewahrt dich auch. Misstrauen ist auch ein Thema, über welches ich mir viele Gedanken mache.

    In Sachen „Hilfe annehmen“ geht es mir da auch ähnlich wie dir, ich habe einfach vieles alleine schaffen müssen. Der Vorteil ist, wie du schon sagst, eine höhere Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Andererseits ist man manchmal gezwungen Hilfe in Anspruch zu nehmen, trotz des Wissens „ich DARF Hilfe annehmen“ fällt mir das enorm schwer.
    Das Gefühl, ich muss das alleine schaffen, ich verdiene das nicht, ich muss etwas zurück geben, lässt sich nicht immer „abstellen“.
    Eine sehr liebe Person sagte mal zu mir, sie würde einen Unterschied zwischen „Hilfe“ und „Unterstützung“ machen. Vielleicht hilft dir das, Unterstützung ist für mich etwas, was bedingungslos sein kann.
    Vorallem bist du ja auch jemand, der sehr, sehr hilfsbereit ist und andere gern unterstützt, das ist auch nicht selbstverständlich.
    Was mir auch hilft, aber mich gleichzeitig immer noch überrascht, Menschen unterstützen, weil sie wollen, dass es dir gut geht.
    Du darfst das annehmen.
    Du verdienst es, dass es dir gut geht.

    Sorry wenn das jetzt alles verwirrend und durcheinander geschrieben ist, bin gerade selbst nicht so auf der Höhe.

    Freue mich auf jeden Fall weitere Beiträge von dir zu lesen.

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