Therapie bei Autismus?

Ein Thema, das gerade wieder sehr aktuell ist, Therapie bei Autismus. Wissenschaftler, Betroffene, Angehörige und Vereine sind da zum Teil sehr unterschiedlicher Meinung, soll man uns Autisten so lassen wie wir sind, soll man versuchen, uns Hilfen für ein besseres Zurechtkommen im Alltag mitzugeben, soll man bestimmte Verhaltensweisen wegtherapieren oder gar Medikamente verabreichen?

Es wäre natürlich eine höchst subjektive Aussage, hier von einem „Richtig“ und einem „Falsch“ zu sprechen, jedoch lässt sich schon herausfinden, welche der Methoden langfristig den größtmöglichen Erfolg für alle Beteiligten bringen.

Einige der wichtigsten Therapieformen will ich sogleich vorstellen:

ABA

ABA steht für „Applied Behaviour Analysis“ und ist eine vor allem bei autistischen Kindern angewandte Therapieform, die in den 1960er Jahren von Ivar Lovaas begründet wurde. Sie wird insbesondere von den meisten Autisten sehr kritisch gesehen, während es für Autismus Deutschland und nahestehende Organisationen scheinbar die einzig funktionierende Therapieform darstellt, wohl des schnellen Erfolges wegen. Dabei geht es darum, Verhaltensweisen, die aus Sicht der neurologisch-typischen Menschen störend und überflüssig sind, durch Zwang und mithilfe des Musters Sanktion und Lohn zu tilgen. ABA wird sowohl durch Therapeuten, als auch nach Anleitung jener durch die Eltern selbst durchgeführt. Da eine Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse des Kindes quasi nicht stattfindet und stattdessen versucht wird, seinen Willen völlig zu brechen, kommt es in vielen Fällen im Jugend- oder Erwachsenenalter zu posttraumatischen Belastungsstörungen, die denen von Missbrauchsopfern oft ähnlich sind.

TEACCH

TEACCH ist die Abkürzung für „Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children“ und kommt wie ABA aus den Vereinigten Staaten. Hinter dieser sehr umfassenden Therapieform verbergen sich verschiedene Möglichkeiten zur Förderung autistischer Kinder. Ob Unterstützung bei bestimmten Einschränkungen, die im Schulalltag zutage treten oder gezieltes und individuelles Training, es ist so einiges dabei. Das Ziel war damals, als 1972 mit einem Forschungsprojekt der Grundstein für TEACCH gelegt wurde, den bis dahin geltenden Vorwurf, die Eltern hätten durch schlechte Erziehzung oder mangelnde Zuneigung „Schuld“ am Autismus ihrer Kinder. Eingesetzt werden zum Beispiel Methoden wie Visualisierungen und Strukturierung des Alltages. TEACCH wird in Deutschland vor allem im schulischen Kontext eingesetzt.

Soziales Kompetenztraining

Von Sozialem Kompetenztraining kann ich aus erster Hand berichten. Dabei handelt es sich um eine Form der Psychotherapie, bei der es quasi darum geht, Stärken zu nutzen und mit Schwächen umgehen zu lernen. Soziales Kompetenztraining beinhaltet nicht nur Gesprächstherapie an sich, sondern auch gezielte Förderung in Bereichen, die mit Einschränkungen und Problemen verbunden sind (zum Beispiel Kontaktaufnahme, Telefonieren, Umgang mit Mitmenschen oder sich selbst und andere verstehen lernen), es ist aber nicht nur trockene Therapie, sondern vor allem „Hilfe zur Selbsthilfe“. Wie bei den meisten Therapieformen, muss einem Sozialem Kompetenztraining eine offizielle Diagnose vorausgehen, damit die Therapiestunden auch von der Krankenkasse bewilligt werden können.

Medikamentöse Behandlung

Da es sich bei Autismus nicht um eine Krankheit handelt und auch nicht „heilbar“ ist, ist eine Verabreichung von Medikamenten überflüssig bzw. fahrlässig, es sei denn, die Medikation dient zur Kurierung/ Linderung anderer Krankheiten oder Störungen, die zusätzlich auftreten können. Allerdings wird momentan geforscht, ob eine Verabreichung des Hormons Oxytocin die sozialen Fähigkeiten von Autisten stärken kann. Insbesondere in den Vereinigten Staaten wird immer wieder MMS (Miracle Mineral Supplement) als Heilmittel für verschiedene Krankheiten und auch Autismus propagiert. Dabei handelt es sich jedoch um eine hochgiftige Lösung, deren Inhaltsstoffe in etwa die von Industriebleiche sind. Dementsprechend ist die Verabreichung in Deutschland illegal.

Fazit

Wenn man schnelle äußerliche Erfolge sucht, ist man wohl eher bei ABA richtig, allerdings sollte man sich dann nicht über psychische Langzeitschäden wundern. Verständlicherweise hat sich in den letzten Jahren ein beachtlicher Widerstand von Menschen, die in Blogs über Autismus schreiben, formiert.

TEACCH kann man hingegen als gute Alternative betrachten. Es enthält viele gute Konzepte, die einem autistischem Kind den Schulalltag deutlich erleichtern und das Verständnis von Mitschülern und Lehrern verbessern kann.

Empfehlen kann ich auf jeden Fall ein Soziales Kompetenztraining wenn man als Autist nicht nur sein Leben selbständig gestalten, sondern auch mit anderen Menschen und vor allem sich selbst gut klar kommen will. Das Ganze ist Arbeit und manchmal herausfordernd, aber es lohnt sich.

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