Asperger und das Alter

Wir Asperger-Autisten werden, wie andere Menschen auch, geboren, wachsen auf, werden alt und sterben. Doch das gefühlte und tatsächliche Alter klafft bei uns häufig weit auseinander – nicht nur in eine Richtung.

Ich bin da selbst ein gutes Beispiel. Gerne bin ich auch mal so albern, dass viele Leute schon genervt sind und wirke da fast wie ein Zwölfjähriger, während ich bei tiefgehenden Gesprächen oder was „neueste Trends“ angeht eher wie ein Fünfundsiebzigjähriger bin, zum Beispiel setze ich lieber auf Bewährtes, mein Laptop ist acht Jahre alt und mein Mobiltelefon sogar zehn.

Eine Zeit lang habe ich regelmäßig, eigentlich um die Stimmung aufzulockern, sämtliche Sketche von Dieter Hallervorden heruntergerattert, dürfte damit aber nicht nur meinen Mitmenschen auf Dauer ziemlich auf die Nerven gegangen sein, sondern auch ziemlich kindisch gewirkt haben.

Ich muss zugeben, dass ich mit Kleinkindern eigentlich noch am besten klar komme, während ich mit pubertierenden Jugendlichen meine größten Probleme habe, das war auch nicht anders, als ich noch selbst in dem Alter war. Wirklich gut unterhalten kann ich mich aber mit Rentnern, also über 60-jährigen.

Welcher junge Erwachsene wurde denn auch schon im Kindergarten „kleiner Professor“ genannt, hört seit der Kindheit ausschließlich klassische Musik oder liest mit großem Interesse Pegauer Heimatblätter? Meine Spezialinteressen passen insgesamt weder zu meinem Alter, noch zu meiner Generation (Komponieren, Stadt- und Verkehrsplanung, Bahnstrecken und Regionalgeographie).

Als ich vor einigen Jahren mein zweiwöchiges Schulpraktikum im Kindergarten des Dorfes absolviert habe, hatten mich die Kinder sofort ins Herz geschlossen, was wohl daran lag, dass ich mich als der „Große“ nicht gescheut habe, mitten unter den „Kleinen“ mitzuspielen.

Die Schulzeit ist bei mir übrigens ein gutes Beispiel, wie wenig ich doch zu Gleichaltrigen (vorausgesetzt es sind keine Autisten) passte. Währende andere meines Alters am Wochenende lieber auf Parties gegangen sind, habe ich stattdessen stillgelegte Bahnstrecken und Gleisanschlussbahnen freigeschnitten.

Dementsprechend bin ich immer mal wieder etwas verärgert, wenn andere Leute mich, ohne wirklich etwas von mir zu wissen, in einen Topf mit (neurotypischen) Gleichaltrigen stecken wollen, denn da gehöre ich so gar nicht rein. Lieber lasse ich mich dann als „weltfremd“ bezeichnen, da kann ich wenigstens sagen: „Da stehe ich dazu!“

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