Spontane Veranstaltungen, Flexibilität und zu viel auf einmal

Erst vor kurzem hatte ich wieder so eine Situation. Einen Kompositionsworkshop in Leipzig, für mich als Komponisten eigentlich eine tolle Sache, wäre ich nicht von der Situation so überfordert gewesen, das ich schon im Vorfeld die Notbremse gezogen habe.

Für die meisten Menschen dürfte es kaum ein Problem sein, zum Beispiel für das Wochenende zu einer Aktivität oder Veranstaltung außerhalb eingeladen zu werden und dann auch „einfach hinzugehen“, sei es ein Konzert, eine Demonstration oder ein spontaner mehrtägiger Ausflug mit Freunden.

Bei mir und, wie ich vermute, den meisten Autisten ist das leider nicht so einfach. Bei mir müssen solche Aktivitäten mindestens eine Woche im voraus geplant sein, da ich sonst einfach den riesigen Berg an notwendigen Planungen und möglichen Szenarien nicht mehr überschauen kann, schon gar nicht in so kurzer Zeit.

So ging es mir auch vor ein paar Tagen. Mein Tonsatzlehrer hat mir eine Teilnahme an dem Kompositionsworkshop empfohlen. Ich hatte mir schon gedacht, dass es im Vorfeld schwierig werden könnte, wollte es aber wenigstens versuchen, auch wenn die auf dem Flyer zum Teil sehr unkonkret waren, was für mich wieder mal deutlich mehr Planungsaufwand bedeuten würde.

Was mein Tonsatzlehrer offenbar nicht wusste, dass es dafür eine Altershöchstgrenze von achtzehn Jahren gab und da bin ja schon ein paar Jahre drüber. Ich hätte natürlich dennoch versuchen können mich anzumelden, vielleicht wäre ja eine Ausnahme gemacht worden. Doch es gab ein weiteres Problem: bei dem Workshop ging es vor allem um Chormusik. Ich hätte fertige Instrumentalmusik mit überarbeitetem Tonsatz gehabt, mit der man hätte arbeiten können, doch meine bislang geschriebenen Chorstücken bedurften noch einer umfangreichen Tonsatzüberarbeitung oder waren gerade erst angefangen. Und dann war da ja auch noch der näherrückende Anmeldeschluss. Ich wusste nicht mal, ob man bei der Anmeldung nun schon Kompositionen einreichen muss oder nicht.

Also versuchte ich innerhalb von ein paar Stunden noch schnell den Tonsatz des ungefähr neunminütigen und doppelchörigen Eingangschores meiner künftigen c-Moll-Messe zu überarbeiten, ich stand enorm unter Druck. Irgendwann merkte ich dann, das ich mit der Gesamtsituation so sehr überfordert war, dass ich abbrechen musste.

Da hätten ja auch noch sämtliche Planungen für jenes Wochenende angestanden, angefangen damit, wo und was ich dort überhaupt essen soll, die Hin- und Rückfahrten, die Suche nach den richtigen Räumlichkeiten und so jede Menge andere Dinge, deren Planung vielleicht wegfallen würde, wären bestimmte Situationen und Szenarien mit berücksichtigt oder einfach bestimmte Dinge konkreter formuliert worden. Neurotypische Menschen würden so etwas vermutlich intuitiv erfassen, ich kann das aber nicht.

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