Inselbegabungen – wann kapieren es die Medien?

Neulich sah ich im Rahmen der ARD-Themenwoche zur Toleranz im MDR-Fernsehen einen kurzen Beitrag über einen Asperger-Autisten, der in einer Software-Firma arbeitet. Kenne ich doch alles schon, dachte ich mir, aber trotzdem schön, dass es so etwas für Autisten gibt, deren Spezialinteresse in diesem Bereich liegt.

Dann ging es weiter: „Dank seiner Inselbegabung ist er in der Lage sämtliche Fehler in der Programmierung zu erkennen.“ Es ist ja schön, dass er das kann und somit sicher unglaublich wertvoll für die Firma ist, aber mit einer Inselbegabung hat das absolut nichts zu tun. Ich bezweifle, dass jener Asperger-Autist überhaupt inselbegabt ist, ob eine Hochbegabung vorliegt, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Ja, Autisten sind in der Lage, Systeme und Muster zu erkennen, sie sehen meist eher die Details, als das Gesamtbild und bemerken so auch schnell Unregelmäßigkeiten oder Fehler. Sehen wir uns aber mal die Definition der Inselbegabung in der Wikipedia an: „Die Inselbegabung, auch Savant-Syndrom genannt, ist das Phänomen, dass Menschen, die eine kognitive Behinderung oder eine anderweitige (häufig tiefgreifende) Entwicklungsstörung aufweisen, sehr spezielle außergewöhnliche Leistungen in einem kleinen Teilbereich („Inseln“) vollbringen können. 50 Prozent der bekannten Inselbegabten sind Autisten.“ Und sicher auch noch wichtig zu erwähnen: „Zurzeit sind weltweit etwa 100 Menschen bekannt, die man nach dieser Unterteilung als erstaunliche Savants bezeichnen kann.“

Recherchiert man weiter, ergibt sich das Bild, dass bei einer Inselbegabung meist signifikante Einschränkungen in bestimmten Bereichen des Gehirns zu Überentwicklungen in anderen Bereichen führen, ich denke, so lassen sich Hoch- und Inselbegabung gut voneinander abgrenzen.

Dennoch sprechen Medien bei „herkömmlichen“ Autisten immer wieder von einer Inselbegabung. Tun sie dies aus Unwissenheit, Sensationslust oder beidem? Ich weiß es nicht, bitte aber die Journalisten darum, sich bitte besser zu informieren, bevor sie über Autismus und Autisten berichten. Es ist schon so viel falsches gesagt worden, was sich in den Köpfen der Leute festgesetzt hat. Und genau so können Vorurteile entstehen.

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