So wie immer

Wenn mich jemand fragt: „Wie geht es dir?“, antworte ich nicht selten: „So wie immer.“ Auch wenn ich durchaus unterschiedliche Gefühlszustände erlebe, ist dieser meistens sehr einheitlich, weshalb eine solche Antwort am ehesten zutrifft. Jemand, der nur nach meinem Gesichtsausdruck schaut, der dementsprechend ebenfalls ziemlich gleichbleibend ist, könnte den Eindruck bekommen, ich hätte gar keine Gefühle, das kann ich allerdings nicht von mir behaupten.

Auch in anderen Bereichen bevorzuge ich eine gleichbleibende Routine, so zum Beispiel beim Mittagessen. dienstags gibt es bei mir Eierkuchen, donnerstags ein asiatisches Fertiggericht mit Reis, samstags Thunfischpizza und sonntags mediterrane Linsen nach meinem eigenen Rezept. Die anderen Tage essen wir im betreuten Wohnen zusammen. So ist es jede Woche, ohne dass es mir irgendwann zum Hals heraushängen würde oder ich das Bedürfnis nach einer Veränderung hätte (das haben eher andere für mich). Für mich ist das sehr von Vorteil, da ich mir keine Gedanken zu machen brauche, was es denn nun zum Mittagessen geben soll oder was ich einkaufen muss.

In meinem Zimmer hat alles seinen festen Platz und kommt immer wieder dorthin, wo ich es hergeholt habe, so brauche ich nicht erst zu suchen, wo sich etwas bestimmtes befindet. Schwierig wird es, wenn jemand diese meine Ordnung durcheinander bringt. In einem solchen Fall wird in mir eine Art von Beschützerinstinkt gegenüber den Dingen, die ich in meine persönliche Ordnung gebracht habe wach und ich versuche jenes dann vor dem „Einfluss der Unordnung“ zu schützen.

Wochenplan und Tagesablauf sind bei mir klar durchstrukturiert. Wenn ich daran doch mal etwas ändern muss, geht das nur mit vorheriger Planung. Leider passiert es – da ich nun mal von neurotypischen Menschen umgeben bin, die einen flexibleren Lebensstil praktizieren – oft genug, dass mir plötzliche und unerwartete Veränderungen meines Tagesablaufs einfach aufgedrückt werden. Meistens überfordert mich so etwas in nicht unerheblichem Maße, außerdem kann es vorkommen, dass ich dann die einfachsten Dinge meines Tagesablaufs, wie zum Beispiel Mahlzeiten, einfach vergesse, mein Hungergefühl ist ohnehin nicht stark genug ausgeprägt, um mich daran zu erinnern.

Es klingt seltsam. trifft es aber ziemlich gut: Ich brauche Routine im Alltag, um Rountine in den Alltag zu bekommen.

Dementsprechend freue ich mich immer wieder, wenn ich auf den Tag blicken und mir sagen kann: „So wie immer!“

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