Autismus als Spielball von Medien und Gesellschaft

Ich glaube ich kann froh sein, dass wir in Deutschland eine derartige Diskussion nicht haben, aber in den Vereinigten Staaten scheint gerade ein Streit im Gange zu sein, bei dem es zwar um Autisten geht, der ihnen aber sicher mehr schadet als nützt.

Gerade stieß ich auf diesen Nachrichtenartikel vom Samstag. Er greift eine Debatte auf, die man eigentlich längst zu den Akten legen könnte, aber die leider immer wieder ausgegraben wird. Es geht um die Behauptung, dass Autismus durch Impfungen verursacht werden könnte. Schaut man im Wikipedia-Artikel zu Autismus unter dem Abschnitt „Schäden durch falsche Impfung/Impfstoffe“, sieht man, dass diese These haltlos ist, aber dazu später.

Offenbar hat CNN vor kurzem das berichtet, was in Deutschland offenbar viel eher akzeptiert wird, als in den USA: dass Impfungen als Ursache von Autismus ausgeschlossen werden können. Dagegen wehren sich nun eine Reihe von Eltern autistischer Kinder. Jene fühlen sich offenbar im Stich gelassen und starten Aufrufe auf YouTube. Sie kehren dabei den Inhalt des CNN-Berichtes um und sagen: „Impfungen verursachen Autismus“.

Zu dem Artikel selbst kann man sagen, dass die Überschrift allein schon Bände spricht, wenn der CNN-Bericht als „Propaganda“ und deshalb automatisch als „pro impfen“ angesehen wird. Es zeigt sich deutlich, wie die Autoren des Textes sich in dieser Sache positioniert haben und dass sie die ganze Debatte offensichtlich als einen Kampf zwischen der Pharmaindustrie und Eltern betroffener Kinder sehen. Ich bezweifle jedoch eine direkte Einflussnahme von Pharmaziekonzernen auf den CNN-Bericht.

Die Nebenwirkungen bestimmter Impfungen zu leugnen wäre vermessen, es besteht aber, wie man immer wieder feststellen konnte, kein Zusammenhang zwischen Autismus und Impfungen, was man schon daran sehen kann, dass man nicht als Kind erst autistisch wird sondern es von Geburt an ist. Es gibt zwar Fälle, in denen sich ein Kind im ersten Lebensjahr noch annähernd normal entwickelt und erst dann Symptome des Autismusspektrums zeigt, ich behaupte jedoch, dass auch jene Kinder bereits autistisch geboren wurden, denn ein Gehirn kann sich nicht „mit der Zeit“ selbst anders verdrahten.

Vielmehr sticht unter den Ursachen vor allem die genetische Komponente heraus. Viele Autisten haben jemanden in der Familie – womöglich sogar ein Elternteil – , der oder die ebenfalls autistisch ist.

Mein Anliegen ist nicht, zu beweisen, dass Autismus nicht von Impfungen herrührt, ich sehe viel mehr ein größeres Problem, was das Thema Autismus in der Öffentlichkeit betrifft. Immer wieder muss ich leider beobachten, dass Autisten den Medien häufig dazu dienen, Einschaltquoten oder Verkaufszahlen zu erhöhen, da wird dann schnell mal ein Amokläufer oder ein gefallener Politiker zum vermeintlichen Autisten.

Hier sind es jene zuvorgenannten Eltern, welche dieses Thema ausschlachten und dabei Autismus als Krankheit, Seuche und Fremdkörper darstellen. Damit richten sie möglicherweise einen verheerenden Schaden an, da nun Autisten vielleicht noch eher als krank und unzurechnungsfähig angesehen werden. Das könnte somit auch die Problematik „Autismus und Arbeitslosigkeit“ noch weiter verschärfen.

Mir ist nicht daran gelegen, generell Eltern autistischer Kinder anzuklagen, ich wünsche vielmehr denen, die solche Aufrufe gestartet haben, dass sie im Alltag die Unterstützung und Entlastung erhalten können, die sie brauchen. Vielleicht sind jene dann auch in der Lage, die positiven Seiten des Autismus zu sehen.

Und den Medien kann ich nur sagen: Ich wünsche mir endlich eine faire Berichterstattung über Autisten!

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