Automatisch oder manuell – Alles selbstverständlich?

Bei meinem und DAB+-Radio (DAB+ ist der digitale Hörfunk) gibt es, wie wohl bei den meisten, die Auswahl zwischen dem automatischen Suchlauf und der manuellen Kanaleinstellung. Ich bevorzuge letzteres, da ich so auch vor Augen habe, was ich im Frequenzbereich finde.

Das scheint gut zu meinem Leben als Autist zu passen, in vielen Bereichen, besonders im Zwischenmenschlichen, muss ich mir das meiste über den Verstand erarbeiten, während Nichtautisten solche Dinge intuitiv aufnehmen, entweder bei der Geburt oder in der frühen Kindheit.

Da bei Autisten die Spiegelneuronen gestört sind, ist die Fähigkeit, nonverbale Signale zu erkennen und selbst auszusenden stark beeinträchtigt. Sehr heikel sind deshalb soziale Regeln oder die sogenannten „ungeschriebenen Gesetzte“, die zum Beispiel beinhalten, was „sich gehört“ und was nicht. Für neurologisch-typische Menschen sind es oft völlige Selbstverständlichkeiten, während Autisten viele dieser Dinge gar nicht wissen, bis man es ihnen sagt. Schnell kann es also zu Missverständnissen oder seitens der „normalen Menschen“ zu falschen Eindrücken der autistischen Person kommen.

Nehmen wir zum Beispiel das ungeschriebene Gesetz, dass man sich entschuldigt, wenn man versehentlich etwas, dass einem anderen gehört, beschädigt hat oder wenn man eine andere Person in irgendeiner Weise verletzt. Ein autistisches Kind wird das schlecht wissen können, es sei denn, man sagt es ihm. Aufgrund solcher oder ähnlicher Situationen entstehen Klischees und Vorurteile, wie zum Beispiel, dass Autisten egoistisch, arrogant und an ihren Mitmenschen überhaupt nicht interessiert seien.

Da alle diese „Selbstverständlichkeiten“ dementsprechend durch den Verstand erarbeitet werden müssen, hat sich ein Autist im Laufe seines Lebens eine umfangreiche Datenbank von Dingen, die man machen darf/ sollte oder eben nicht machen darf/ sollte, in seinem Kopf angelegt.

Deutlich einfacher wäre es aber, wenn einfach alles als Gesetzestext niedergeschrieben wäre, doch kaum ein nichtautistischer Mensch rechnet damit, dass man solche Dinge nicht wissen könnte. Da heißt es dann beispielsweise: „Na so etwas muss man aber doch wissen!“ oder ganz klassisch: „Das ist doch selbstverständlich!“ Tja, ist es eben nicht.

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Ein Gedanke zu „Automatisch oder manuell – Alles selbstverständlich?

  1. Ich habe das auch oft. Ich bin eigentllich ziemlich gut in ,was sich gehört und was sich nict gehört‘ da ich all die Regeln auswendig gelernt habt. Dadurch bekomme ich in vielen sozialen Situationen jedoch viel schneller Panik da ich dadurch mehr Angst habe etwas falsch zu machen, vorallem wenn jemand etwas in einer Situation anders macht, als wie ich es gelernt habe. Meine Eltern haben bei mir kein großes Verständnis dafür, wenn ich nicht verstehe was ich in einer Situation machen soll und wieso,wa mich in einer noch größeren Panik versetzt. Lernen ist eben doch etwas anderes als verstehen.

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