Vom ausgegrenzt werden zum sich abgrenzen

Heute soll es mit dem bereits im letzten Beitrag angefangenen Themenkomplex „Mobbing“ weitergehen.

In der Schule war ich immer ein Außenseiter. Ich hatte keine wirklichen Freunde (die, welche was ich damals als Freunde bezeichnete, waren eigentlich vor allem solche, mit denen ich mich gut verstand, weil sie selbst Außenseiter waren) und eigentlich auch nicht das direkte Bedürfnis danach, wollte aber doch dazugehören und nicht ausgegrenzt sein.

Ich war eigentlich schon immer jemand, der die Dinge auf die eigene Weise machte und sich nicht so sehr von anderen reinreden ließ. Das kam sicher nicht bei allen gut an, besonders vor dem Hintergrund, dass sich die meisten Menschen eher in einer Mehrheitsmasse sicher fühlen und nicht wenige, um angenommen zu werden, ihre Individualität aufs Spiel setzen. Ich hatte nun ein Problem: ich wollte dazugehören, aber passte doch nicht hinein, da ich nicht bereit war, meine – verglichen mit den anderen – völlig andere Persönlichkeit und Individualität aufzugeben.

Mich unterschied allein schon in den Interessen so viel von den anderen, dass ich mich schließlich damit abfand, nicht zur „Gruppe“ dazugehören zu können (so etwas wie Einsamkeit habe ich ohnehin bis heute noch nie erlebt). Ich begann also nun, mich bewusst von den anderen abzugrenzen und definierte mich, ohne auch nur einen blassen Schimmer vom Asperger-Syndrom zu haben, in vielen Bereichen über dieses Anderssein. Ich stand also in einem solchen Maße offen zu meinen Interessen und Vorlieben, dass ich manchmal schon aufpassen musste, mich nicht als zu anders darzustellen, als ich es denn nun war, dort die Balance zu halten war gar nicht so einfach.

Nun fand ich mich zwar damit ab, nicht dazuzugehören, aber von anderen bewusst ausgegrenzt zu werden, war für mich noch immer schlimm und berührte deutlich mein schon immer sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Ich fing an mich zu fragen, warum die sich ausgerechnet mich als Opfer ausgesucht wurden. Heute habe ich, dank meiner Diagnose, die Antwort auf diese Frage.

Dennoch frage ich mich immer wieder, ob es möglich ist, zu einer Gruppe dazuzugehören und sich trotzdem seine volle Individualität zu bewahren. Ich merke heute zudem, dass ich mit den vielen Verbindlichkeiten, die zu einer solchen Gesellschaftsform gehören, überfordert wäre.

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Ein Gedanke zu „Vom ausgegrenzt werden zum sich abgrenzen

  1. Hallo,
    Schau mal auf meinen Blog dort habe ich einen Beitrag “SCHULEvsLEBEN“ veröffentlicht. Vielleicht interessiert dich meiner ja auch 😉 …Les es dir mal durch. Den findest du auf meinem Blog unter “Juli2014″ Rechts in der Navigation.

    Liebe Grüße
    Jeyare

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