Autisten – Zielscheibe der Medien?

„Das fängt ja gut an!“, denke ich nur. Da gibt es meinen Blog erst ein paar Stunden und schon muss ich über ein inzwischen leider sehr alltägliches Thema schreiben, was die Kategorie Autismus und Medien betrifft.

Soeben schaute ich einige Autismus-Blogs durch und stieß auf diesen aktuellen Beitrag von „Quergedachtes“ über den FOCUS-Artikel, der einen erneuten Amoklauf in den Vereinigten Staaten thematisiert.

Bereits im Radio hatte ich davon gehört und schon fast vermutet, dass bald wieder jemand dem Amokläufer post mortem Autismus attestieren würde. Genauso sollte es auch kommen.

Schon in der Überschrift heißt es: „…litt unter Autismus“Nachtrag: Die Überschrift ist leicht verändert worden, enthält aber noch immer „Autismus“.

Auf das Thema „unter Autismus leiden“ will ich jetzt nicht weiter eingehen, aber es ist doch erstaunlich, dass die in der Überschrift noch so absolute Aussage in den folgenden Zeilen schon wieder relativiert wird („Offenbar litt er aber auch unter einer Form des Autismus.“). War er also vielleicht doch kein Autist? Aber nein, die Medien wissen es ja besser.

Der Amokläufer soll, so der Artikel, sich von Mädchen zurückgewiesen gefühlt haben. Ich habe noch nie einen Autisten getroffen, der in einem so großen Maße an Frauen interessiert war, dass er auch schon mehrere Zurückweisungen erlebt hätte, aber ich kann ja nur von mir ausgehen. Auch dass er in der Vergangenheit durch Diebstahl aufgefallen sei, klingt so gar nicht nach einem Autisten.

Und selbst wenn er wirklich Autist gewesen ist – macht ihn das zum Amokläufer? An dieser Stelle empfehle ich einen Beitrag der Bloggerin „Autzeit“ über eben diese Thematik.

Festzustellen ist, dass Autisten immer wieder zur Zielscheibe der Medien gemacht werden, was deren Inklusion nicht gerade dienlich ist. Das zeigt sich schon im ersten Kommentar des FOCUS-Artikels, in dem auch der Amoklauf von Adam Lanza wieder ausgegraben wird: „Es gehörte bisher zum vermeintlichen Wissens-Kanon über das Thema Autismus, dass Autisten (zumal Asperger-Autisten) NICHT zu Gewalt und Kriminalität neigen. Nach diesem Fall erinnert man sich an den Amokläufer Adam Lanza, von dem es auch hieß er sei Autist gewesen. Muss man hier vielleicht mit alten Überzeugungen von der vermeintlichen Ungefährlichkeit von Autisten aufräumen?“

Ich bin ja schon froh, mal einen Kommentator zu sehen, der sämtliche Rechtschreibregeln beachtet, aber ansonsten muss ich, wenn man nach diesem Kommentar geht, wohl als Autist bald damit rechnen, wegen Gemeingefährlichkeit eingesperrt zu werden.

Nachtrag: Auch ein paar Autisten haben inzwischen den FOCUS-Artikel kommentiert und deutlich gezeigt, dass sie sich so etwas nicht gefallen lassen. Vielleicht bewegt sich ja bald etwas in dieser Sache.

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Ein Gedanke zu „Autisten – Zielscheibe der Medien?

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